Warum werden Obstbäume veredelt?

Man liebt den Geschmack einer bestimmten Apfelsorte. Nimmt man einen Kern dieser Apfelsorte und steckt diesen in die Erde, so wächst ein neuer Apfelbaum. Doch leider wird dieser neue Apfelbaum nicht die gleichen Früchte haben, wie die so geliebte Apfelsorte. Diese dann neue Sorte ist ein Kind der geliebten Sorte und sieht somit leider nicht genauso aus wie Vater oder Mutter, wie bei uns Menschen. Jede Apfelsorte ist einmalig, so wie jeder Mensch einmalig ist.

Um die bekannte beliebte Sorte erhalten zu können und auch vermehren zu können, muss man diese Sorte veredeln. Die bekannte Apfelsorte „Goldparmäne“ ist z. B. schon über 400 Jahre alt. Eine reife Leistung, wenn man bedenkt, dass alle Bäume dieser Sorte von einem einzigen ursprünglichen Baum abstammen.

Was heißt eigentlich veredeln?

Veredeln heißt, man nimmt eine Wurzel eines jungen Apfelbaumes und ein Stück Holz eines jungen Triebes der beliebten Apfelsorte und verbindet diese so, dass das Holzstück der belieben Sorte auf der Wurzel anwächst und einen neuen Baum der beliebten Sorte bildet. Da man dies beliebig oft wiederholen kann, kann man viele Bäume der beliebten Sorte züchten und diese überall dort, wo man diese Sorte haben möchte, anpflanzen. Auch bei euch.

Veredelungsarten

Die beiden wichtigsten Veredelungsarten sind die Okulation und die Kopulation.
Bei der Okulation wird eine Knospe mit ein wenig Rinde der gewünschten Sorte auf eine Wurzel gepfropft, dies bedeutet, man macht mit einem scharfen Messer einen kleinen T-förmigen Schnitt in die Rinde der Wurzel und steckt die Knospe hinein. Dann verbindet man die Wunde und hofft, dass alles verwächst. Diese Veredelungsart wird meist im Sommer durchgeführt. Die Knospe treibt dann im nächsten Frühjahr und wächst zu einem neuen Baum heran.

Bei der Kopulation wird ein Stück junges Holz mit der Wurzel verbunden. Diese Veredelungsart wird meist im Winter durchgeführt, wenn die Bäume noch keine Blätter haben. Diese Veredelungsart wird heute auch gezeigt. Dazu braucht man ein scharfes Veredelungsmesser. Mit dem Messer wird sowohl an dem Wurzelstock als auch an dem jungen Holz ein schräger Schnitt durchgeführt. Wichtig ist, dass der Durchmesser der Wurzel und der des jungen Holzes gleich dick sind, damit alles besser verwachsen kann.

Wenn die beiden Stücke passen werden sie miteinander verbunden, so dass möglichst keine Luft an die Schnittwunden herankommt. Im Sommer kann das Verbandmaterial vorsichtig gelöst werden.

Was ist so wichtig an der Wurzel?

Die Wurzel eines Baumes bestimmt, wie groß ein Baum wächst. Im laufe der Zeit hat man verschiedene Wurzeln gefunden, bei denen man vorher schon weiß, wie groß der Baum wird. Diese Wurzeln nennt man Typenunterlagen. Die Wurzel die wir heute hier verwenden nennt sich M26 und ist eine Wurzel, die bestimmt, dass der Apfelbaum nicht größer als ca. 2,50 m wird. Diese so genannte schwachwüchsige Unterlage hat auch noch den Vorteil, dass, wenn alles gut verläuft in 2 bis 3 Jahren die ersten Früchte an den Bäumen hängen können. Bei den großen Bäumen auf den Streuobstwiesen mit stark wachsenden Unterlagen kann dies bis zu 15 Jahre dauern, bis der erste Apfel am Baum hängt. Der Nachteil der schwachen Wurzeln ist, dass die Bäume nicht älter als 25 Jahre werden.

Was mache ich mit der Veredelung, wenn ich Zuhause bin?

Da die beiden Teile erst noch zusammenwachsen müssen, musst du erstmal alles sehr vorsichtig behandeln, damit nichts verrutscht. Die Erde im Topf muss immer feucht gehalten werden, damit der Baum nicht vertrocknet. Stelle die Veredelung erst einmal an eine etwas geschützte Stelle. Im Frühjahr kannst du dann beobachten, ob die Hölzer zusammengewachsen sind. Dies ist der Fall, wenn aus dem auf die Wurzel gesetzten Holz ein junger Trieb wächst. Dann hat es geklappt.

Falls Ihr einen Garten habt, so könnt Ihr mit euren Eltern den Baum dann in den Garten pflanzen, aber immer noch alles sehr vorsichtig behandeln. Bittet eure Eltern, vor der Pflanzung einen imprägnierten Pflanzpfahl in der Gärtnerei oder im Baumarkt zu kaufen. Hebt ein Loch aus und reichert die ausgehobene Erde mit ein wenig Dünger (z. B. Hornspäne) an. Setzt den Baum in das Pflanzloch, gebt die ausgehobene Erde wieder dazu und tretet sie fest. Achtet aber darauf, dass die Stelle, an der die beiden Teile zusammengefügt sind, auf jeden Fall ein Stück über dem Boden bleibt. Dann nehmt ihr eine Gieskanne und schlämmt die Erde ein. Wenn der junge Baum dann so 1,0 m hoch ist, fangt an den Trieb locker an den Pfahl zu binden. Immer darauf achten, auch später, dass nichts einschneidet.

Habt Ihr keinen Garten, so bittet eure Eltern darum, euch einen größeren Pflanzkübel zu kaufen, dann macht Ihr es genauso wie oben beschrieben mit z. B. mit einem Bambusstock und lasst den Baum im Topf für den Balkon oder die Terrasse. Immer darauf achten, dass die Erde nicht austrocknet.

Was mache ich, falls meine Veredelung nichts geworden ist?

Wir haben einige Verdelungen mehr angefertigt, als Teilnehmer im Kurs sind. Falls es nichts geworden ist, meldet Euch beim Obst- und Gartenbauverein über unser Kontaktformular . Wir werden Euch dann, solange der Vorrat reicht, eine der übrigen Veredlungen geben.

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