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Speierling | Drucken |

Wir freuen uns darüber, dass zum ersten Spatenstich der Umgehungsstraße ein Speierling gepflanzt wurde. Nach unseren Kenntnissen stehen in der Gemarkung Offenthal bisher nur zwei Bäume. Daher nutzen wir die Gelegenheit, diese seltene Obstart zu beschreiben.

Der Speierling (Sorbus Domestica) ist ein Wildobstbaum aus der Familie der Rosengewächse. Das Holz des Speierlings ist das schwerste einheimische Holz und noch schwerer als das von Eiche oder Buche. Verbreitet ist der Speierling hauptsächlich in Südeuropa. In Mitteleuropa kommt er dort vor, wo auch Weinbau möglich ist. Aber auch in England gibt es Bestände.

Der Speierling ist in Deutschland sehr selten geworden. Größere Bestände stehen noch in Kronberg im Taunus, dort wurde vor einigen Jahren auch eine größere Pflanzaktion durchgeführt, dabei wurden ca. 100 Bäume neu angepflanzt.

Der Speierling ist ein 10–20 m hoher Baum. Er kann im Wald maximale Höhen von über 30 m und als Einzelbaum Stammdurchmesser über 100 cm erreichen. Er erreicht ein Alter bis zu 600 Jahren, in Mitteleuropa aber meist mit 150 Jahren deutlich weniger. Der Speierling hat eine kleinschuppige, graubraune Rinde und besitzt bis zu 25 cm lange Fiederblätter. Er ist hauptsächlich durch seine Früchte von der Vogelbeere zu unterscheiden.

Der Baum blüht im Mai. Aus den Blüten entwickeln sich Apfel- oder Birnenförmige 2 – 4 cm große Früchte. Die Früchte sind jedoch erst im überreifen Zustand essbar. Es gibt Apfel- und Birnenförmige mit unterschiedlichsten Geschmacksnuancen und Reifezeiten von August bis November

Heute sind die Früchte von den Kellereien sehr gesucht. Über 70 Euro pro Zentner werden bezahlt - große Bäume tragen mehr als 10 Zentner. Der gerbstoffreiche Saft der unreifen Früchte wird für die Klärung von Apfelwein verwendet. Apfelwein mit einem Anteil von bis zu 3% Speierlingsaft wird Speierling genannt, da dieser recht herb schmeckt.

Im Wuchs ähnelt der Speierling dem Wuchs der Birne, die Leitäste streben steil nach oben. Der Speierling bevorzugt kalkhaltige, warme Böden ohne Staunässe. Bei der Pflanzung gibt es jedoch einige Ausfälle, vor allem auf kalten, nassen Böden. Nach dem Anwachsen ist der Speierling sehr widerstandsfähig, wüchsig und bringt ab ca. dem 10 Jahr nach der Pflanzung bis ins hohe Alter regelmäßige Erträge. Als Krankheitserreger ist meist nur Schorf von Bedeutung.

In der Volksmedizin des Mittelalters wurden die Früchte der Bäume zur Behandlung von Durchfällen und Erbrechen genutzt. Heute werden sie zu Mus, Marmeladen und zu Speierlingsbrand verarbeitet, der hoch begehrt ist. Das Holz des Speierlings ist gesucht im Instrumentenbau und als Möbelholz. Furnierstämme werden hoch bezahlt.

 

Bezugsquellen:

Baumschule Andreas Heinrich, Hessenring 31, 65474 Bischofsheim, Tel. 06144-6303
Baumschule Rinn, Heuchelheimer Str. 129, 35398 Giessen, Tel. 0641 / 6 28 50